Jan Klaiber: "Sonderpreis 2002" - Trotz Handicap das persönliche Bildungsziel erreicht

Weil die örtlichen Realschulen ihn nicht aufnahmen, absolvierte der stark körper-behinderte Jan Klaiber (23) seinen Realschulabschluss erfolgreich per Fernunterricht. Die Mühe hat sich für den jungen Mann aus dem baden-württembergischen Heidenheim... Weil die örtlichen Realschulen ihn nicht aufnahmen, absolvierte der stark körper-behinderte Jan Klaiber (23) seinen Realschulabschluss erfolgreich per Fernunterricht. Die Mühe hat sich für den jungen Mann aus dem baden-württembergischen Heidenheim gelohnt: Mit einem Notendurchschnitt von 1,6 wurde er Lehrgangsbester - und konnte damit seinen lang gehegten Wunsch verwirklichen, eine Ausbildung als Bürokaufmann zu beginnen.

 Für seine außergewöhnliche Lernsituation und seine sehr guten Schulleistungen kürte eine unabhängige Jury des Deutschen Fernschulverbandes e. V., Hamburg, Jan Klaiber zum "Sonderpreisträger 2002". Der im diesjährigen "Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen" erstmalig vergebene Preis wurde ihm am 25. März 2003 in Berlin von dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Uwe Thomas, verliehen.

Jan Klaibers Tetraspastik fesselt ihn seit seiner Geburt an den Rollstuhl. Sprechen kann er nicht, mit der Hand zu schreiben, bereitet ihm große Mühe. Stattdessen verständigt er sich mit Hilfe einer Buchstabentafel oder per Computer. Was von außen wie eine enorme Einschränkung wirkt, ist für Jan Klaiber selbst normal und lässt ihn nicht an seinen Fähigkeiten zweifeln. Sein erstes Ziel erreichte er 1999: den Hauptschulabschluss. Ein Jahr hatte er sich an der Ulmer Volkshochschule auf diese externe staatliche Prüfung vorbereitet. Danach wollte er eine Ausbildung beginnen, doch weil er auf eine Assistenz am Arbeitsplatz angewiesen ist und die Kostenübernahme nicht gesichert war, hieß es warten. Jan Klaiber dauerte das zu lange: "Ich wollte beweisen, dass die Hauptschule noch nicht das 'Ende' sein kann", sagt er. Er nahm den Realschulabschluss ins Visier, doch die örtlichen Realschulen lehnten ihn aufgrund seines Handicaps ab. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Ulm machte ihn schließlich auf die Alternative Fernunterricht aufmerksam.

Als "Glücksfall" beschreibt Jan Klaiber die Wahl des knapp dreijährigen Fernlehrgangs zum Realschulabschluss bei der Hamburger Akademie für Fernstudien. "Zu lernen, ohne dass ein Lehrer mir permanent auf die Finger schaut, war eine große Erleichterung für mich", so Jan Klaiber. Zur "angenehmen Lernatmosphäre" habe auch der ASB beigetragen, der ihm während der gesamten Kursdauer mit Rat und Tat zur Seite stand. Die Zeiten in der Woche, die er beim ASB betreut wurde, nutzte er intensiv zum Lernen. Bei Bedarf wurden ihm Zivildienstleistende oder Studenten als Teilzeitkräfte zur Seite gestellt. "Weil ich ja nicht mit der Hand zeichnen kann, hat mir ein Student ein Computerprogramm zum Darstellen von Funktionen und Parabeln besorgt", erinnert sich Jan Klaiber. Im Nachhinein ist er sicher, "dass der Fernunterricht wesentlich grundlegender war, als der Unterricht an einer regulären Schule sein kann." Vom selbstverantwortlichen Lernen angeregt, hat er über den vorgegebenen Lernstoff hinaus nützliches Material im Internet recherchiert.

Seine Eltern, die anfangs noch skeptisch waren, sind heute stolz auf ihren zielstrebigen Sohn, auch seine Schwester Aura (34) ist beeindruckt. "Ich hab mir schon überlegt, ob ich nicht Abitur machen sollte", schmunzelt Jan Klaiber. Doch noch viel lieber hat er die Chance ergriffen, die sich ihm aufgrund seines Realschulabschlusses geboten hat: Im September 2002 begann er eine Ausbildung zum Bürokaufmann beim ASB in Ulm, "eine Chance, die es für Behinderte nicht so oft gibt", weiß er. Seine positive Lebenseinstellung lässt ihn trotz seines schweren Handicaps an seinen beruflichen Erfolg glauben.