Ramona Knapstein - Sonderpreis 'Jugendpreis Fernlernen': Schule schwänzen gibt's nicht mehr!
Noch vor zwei Jahren hätte Ramona Knapstein aus Viersen nicht geglaubt, dass Lernen auch Spaß machen kann. In schwierigen sozialen Verhältnissen groß geworden, fiel die heute 16-Jährige schon im Kindergarten durch aggressives Verhalten auf, und Schule war für sie ein Ort des Versagens. "Ich schwänzte die Schule, war selten zu Hause und nahm alle Drogen quer durchs Alphabet", erzählt Ramona. Doch sie entschied sich, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben: Seit 2 Jahren nimmt sie an dem Time Out-Projekt Husky in Schweden teil und holte jetzt per Fernunterricht bei der Flex-Fernschule ihren Hauptschulabschluss nach. Dabei entdeckte sie für sich die Vorteile dieser Art des Lernens und paukt nun bereits für ihren Realschulabschluss aus der Ferne.
Für ihren Mut, ein neues Leben weit weg von zu Hause zu beginnen und sich mit Hilfe von Fernunterricht eine Basis für ihre berufliche Zukunft zu schaffen, verlieh eine unabhängige Jury des Forum DistancE-Learning - Der Fachverband für Fernlernen und Lernmedien e. V., Hamburg, Ramona Knapstein den Sonderpreis "Jugendpreis Fernlernen 2003". Der Preis wurde ihr am 26. April 2004 im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin von Staatssekretär Wolf-Michael Catenhusen übergeben.
Das "Projekt Husky" in Schweden wurde Ramona vom Jugendamt angeboten und war für die damals 14-Jährige der einzige Ausweg aus dem Teufelskreis aus Drogen und schulischem Versagen. Mit professioneller Hilfe konnte sie ihre Suchtprobleme in den Griff bekommen und Schwierigkeiten im persönlichen und sozialen Bereich aufarbeiten. Die Schule hatte Ramona in Deutschland in der 7. Klasse abgebrochen. Deshalb erzählte ihr die Projektleitung von der Möglichkeit, sich mit der Flex-Fernschule per Fernunterricht für die Staatliche Prüfung zum Hauptschulabschluss vorzubereiten. Die Flex-Fernschule in Breisach ist 1998 aus einem Modellprojekt des Bundesfamilienministeriums hervorgegangen und wurde unter wissenschaftlicher Begleitung entwickelt.
Per Fernunterricht konnte Ramona bei offenem Fenster und leiser Musik, in aller Ruhe allein lernen, ohne unter Druck zu stehen. "Dabei kann man zwar nicht Spicken und Schummeln, sich aber das Lernumfeld so einrichten, wie man möchte", so die 16-Jährige. "Es gibt keine Ablenkung durch Mitschüler, so dass ich mich viel leichter auf den Unterrichtsstoff konzentrieren kann." Ihre Familie ist begeistert von Ramonas Entwicklung und unterstützt sie, zum Beispiel mit zusätzlichen Büchern aus Deutschland.
In nur 7 Monaten holte Ramona den gesamten Unterrichtsstoff der 8. und 9. Klasse nach. Im Sommer 2003 bestand sie die Hauptschulabschlussprüfung mit 2,1! "Endlich kann ich zeigen, was wirklich in mit steckt", freut sich die Preisträgerin. Sie lernt jetzt bereits per Fernunterricht für ihren Realschulabschluss. Wenn sie im September 2004 nach Deutschland zurückkehrt, hofft sie damit eine Lehrstelle in ihrem Traumberuf zu finden: als Tierpflegerin. Und insgeheim denkt sie schon übers Abitur nach. Wer hätte das vor zwei Jahren von ihr gedacht!

