Vom Förderschüler zum Studienpreisträger
Sven Follert aus Steinberg bei Flensburg erhält den Studienpreis "Fernlerner des Jahres 2006"
Der schulische und persönliche Werdegang von Sven Follert (19) zeigt, dass Jugendliche einen positiven Weg für die Gestaltung ihres Lebens finden können, auch wenn scheinbar alle Umstände dagegen sprechen: Eskalierende psychosoziale Probleme waren der Auslöser, weshalb Sven, der in Deutschland als Problemkind galt, 2001 als 14-Jähriger am Auslandsprojekt "Buschschule Namibia" teilnahm. In Afrika lernte er, dass er nicht andere für sein Handeln verantwortlich machen kann, sondern selbst für sich einstehen muss. Diese Einsicht zeigte sich besonders in seinen schulischen Leistungen: Per Fernunter-richt des ILS (Instituts für Lernsysteme) bereitete sich Sven in Afrika auf seinen Hauptschulabschluss vor, den er nach seiner Rückkehr im Mai 2005 mit der Note 2,1 erfolgreich bestand. Und Sven kann gar nicht mehr genug kriegen: Inzwischen lernt er für den Realschulabschluss.
Für seinen Lernwillen und den Mut, seinem Leben weit weg von zu Hause eine neue Wendung zu geben, verlieh eine unabhängige Jury des Forum DistancE-Learning - Der Fachverband für Fernlernen und Lernmedien e. V. - Sven Follert den Studienpreis DistancE-Learning 2006 in der Kategorie "Fernlerner des Jahres". Der Preis wurde ihm am 26. April 2006 im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin vom Parlamentarischen Staatssekretär Andreas Storm übergeben. [Foto: Sven Follert (2. v. r.) mit Vertretern des ILS und dem Staatssekretär]
Sven Follert wuchs von Geburt an in Pflegefamilien und Erziehungsheimen auf, die er oft wechseln musste, und wurde von Anfang an in Förderschulen unterrichtet. Als im Jahre 2000 die Situation zu eskalieren drohte, bot ihm das Jugendamt an, an der sozialpädagogisch betreuten Auslandsmaßnahme in Nami-bia teilzunehmen. Er lebte und arbeitete von da an auf einer Farm in Namibia bei einer Gastfamilie. Parallel war er Schüler des ILS-Fernlehrwerks für deutsche Schüler im Ausland und büffelte per Fernunterricht für seinen Hauptschulabschluss. "Ich konnte anfangs nicht schlafen, weil ich nicht wusste, wie ich das alles schaffen soll", erinnert sich Sven heute. Doch durch die neue Umgebung und die einfühlsame Betreuung der Gastfamilie und des Fernlehrwerks bekam Sven Follert mehr und mehr Selbstvertrauen. Während er für die Bearbeitung des 7. Schuljahres noch über 2 Jahre benötigte, schaffte Sven das Unterrichtspensum der 8. und 9. Klasse im vorgesehenen Rhythmus. Zudem holte er den Englischunterricht vom ersten Lernjahr nach und schloss dieses Fach am Ende sogar mit einer Eins ab - auf den Förderschulen hatte er zuvor gar nicht oder nur sporadisch am Englischunterricht teilgenommen.
Und die große Leistungsbereitschaft und Ernsthaftigkeit, mit der Sven sein Ziel verfolgte, hat sich gelohnt: Trotz strenger Auswahlkriterien und limitierter Plätze wurde er nach seinem Hauptschulabschluss an der Berufsfachschule Wirtschaft in Kappeln aufgenommen, wo er nun seinen Realschulabschluss machen möchte. Zudem kann er sich dort vielleicht sogar zum Kaufmännischen Assistenten ausbilden lassen. Ohne Auslandsaufenthalt und Fernunterricht wäre dies nicht möglich gewesen.
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