Herausforderung Corona: Fernunterricht entfaltet volles Potenzial – Nachfrage boomt!

Shutdown, Mobile Office und Homeschooling sind die prägenden Schlagworte, die uns seit Beginn der Corona-Krise begleiten. Die Nachfrage nach Fernunterricht in der beruflichen Weiterbildung boomt. Private Bildungsanbieter reagieren schnell, unterstützen Lernende und entwickeln neue Angebote. Und doch fehlen klare politische Signale für die Branche.

„Würde es Fernunterricht nicht schon geben, wäre er genau jetzt erfunden worden“, ist sich Mirco Fretter, Präsident des Forum DistancE-Learning, dem Bundesverband der Fernstudienanbieter, sicher. Doch es gibt dieses Konzept der Wissensvermittlung auf Distanz schon seit vielen Jahrzehnten. „Es ist etabliert und brilliert geradezu in den vergangenen Monaten, da im Angesicht der Corona-Pandemie einmal mehr deutlich wird, dass es vor allem digitale Angebote und Lösungen sind, die Wirtschaft und Gesellschaft Möglichkeiten aufzeigen, der Krise zu begegnen!“ Aufgrund von Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen war und ist es einzig der Fernunterricht mit seinen digitalen Elementen, der die Aufrechterhaltung eines Lehrbetriebes ermöglicht. Dass die Methode aber weit mehr vermag, als nur ein Rettungsanker in Krisenzeiten zu sein, wissen das Forum DistancE-Learning und seine Mitglieder. Denn rund 500.000 Menschen nutzen jährlich bundesweit diese zukunftsorientierte Form der Wissensvermittlung für ihre persönliche Weiterbildung und machen Fernunterricht und Fernstudium somit zu einer immer stärker werdenden Säule der Erwachsenenbildung. Viele weitere kommen aktuell hinzu, sammeln Erfahrungen mit den digitalen Elementen der Methode durch Homeschooling und Homeoffice und entdecken Fernunterricht und seine Möglichkeiten, die er für persönliche und berufliche Entwicklung bereithält.

 

Private Anbieter reagieren schnell und effizient

„Wie schon immer in der Geschichte des Fernunterrichts, sind es die privaten Unternehmen, die teilweise unter großen Anstrengungen den Umstieg in die Online-Welt schnell geschafft haben, um ihren Kunden auch in schwierigen Zeiten Bildung zu ermöglichen“, stellt Prof. Dr. Holger Zinn fest. Zinn ist u.a. Autor des Buches „Geschichte des Fernunterrichts“, lehrt an der DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen und ist Mitherausgeber der Zeitschrift für interdisziplinäre ökonomische Forschung (ZIF). „Für den privaten Bildungssektor ist die Corona-Krise ein gewaltiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen Implementierung von digitalen Lernangeboten. Ob dies auch für staatliche Einrichtungen gilt, muss bezweifelt werden. Hier steht zu befürchten, dass digitaler Lehr- und Lernfrust zu einem Rückfall in alte Gewohnheiten führt“, prognostiziert er.

 

Seine Aussagen bestätigen die Ergebnisse einer Blitzumfrage der IUBH unter Studierenden, die Ende April veröffentlicht wurde. Denn auch aus Sicht der Studierenden setzen private Hochschulen Maßnahmen schneller um als staatliche. Jede vierte staatliche Universität und jede fünfte staatliche Fachhochschule habe demnach kurz vor Beginn des Sommersemesters (noch) keine Maßnahmen kommuniziert, um den Studienbetrieb aufrechtzuerhalten. 53 Prozent aller Studierenden vermelden sogar, dass staatliche Einrichtungen angeben, an ihrer Hochschule würden keine Online-Veranstaltungen stattfinden.

 

Auch Fernunterrichts-Anbieter von Krise betroffen

Natürlich prallte auch an der Fernunterrichts-Branche die Krise nicht ohne Folgen ab.  Präsenzveranstaltungen, die viele Distance-Learning-Angebote ergänzen, mussten kurzfristig abgesagt oder umorganisiert und die Unternehmensverwaltung und Teilnehmerbetreuung den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. Wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen galt es auch hier, innerbetrieblich schnell Umstrukturierungen in Angriff zu nehmen, damit Teilnehmenden auch weiterhin die Möglichkeit geboten werden konnte, flexibel und ortsunabhängig zu lernen. „Die Mehrarbeit im Unternehmen ist enorm, da sämtliche Klausuren und Präsenzveranstaltungen durch Online-Alternativen ersetzt worden sind. Aber die Studentinnen und Studenten sind begeistert!“, so Prof. Dr. Martin Kurz, Geschäftsführer der Euro-FH aus Hamburg. „Viele Mitarbeitende haben einen enormen Arbeitseinsatz gezeigt, der noch einmal weit über dem lag, was schon vor der Krise geleistet wurde“, ergänzt Sabine Rotberg vom aus der Goethe-Institut Zentrale in München.

 

„Als der Shutdown da war, haben wir nicht lange gezögert und entschieden, alles, was wir haben, zu nutzen, um unseren Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, die individuellen Weiterbildungsziele nach Plan weiterzuverfolgen“, berichtet Gabriele Unützer von der Steuer-Fachschule Dr. Endriss aus Köln. Zuvor wurden im Unternehmen Präsenzlehre und Fernunterricht klar voneinander getrennt. Nun aber war es das Knowhow, das über viele Jahre im Fernunterrichtsbereich erworben wurde, das auch den Teilnehmenden des Präsenzbereiches die Fortführung ihrer Qualifikationsmaßnahmen ermöglichte. „Innerhalb weniger Tage haben wir unsere Hörsäle umfunktioniert und bis zu fünf Aufnahmestudios gleichzeitig betrieben, um Präsenzunterricht über das Web zu streamen und Videokonserven für die individuelle Nutzung bereitzustellen“, erinnert sich Unützer.

 

Doch allein die Bereitstellung von Lehrmaterialien auf digitalen Wegen ist noch nicht die Form des Fernunterrichts, wie ihn sich die Mitglieder des Verbandes auf die Fahnen schreiben. Denn gute Fernlehre kennzeichnet auch eine qualitativ-hochwertige Lernbegleitung. „Wir haben weltweit rund 3.000 Lehrkräfte methodisch-didaktisch geschult, um sie für digitalen Unterricht fit zu machen“, so Sabine Rotberg vom Goethe-Institut. Denn nicht nur in Deutschland, sondern weltweit haben fast alle Goethe Institute ihre Angebote auf Online-Sprachkurse umstellen müssen.

 

Auch das Berufsförderungswerk in Würzburg, spezialisiert auf die Aus- und Fortbildung blinder und sehbehinderter Menschen, war Mitte März gezwungen, seinen Präsenzunterricht und den Internatsbetrieb einzustellen. „Da nahezu alle Umschulungsmaßnahmen in unserem Haus aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, hätte das eigentlich den Abbruch sämtlicher Maßnahmen bedeutet – eine finanzielle Katastrophe für uns als Anbieter und das vorläufige Ende der beruflichen Perspektiven für unsere Teilnehmer“, erinnert sich Monika Weigand vom Kompetenzzentrum für barrierefreie IT des Berufsförderungswerks. Doch der Einsatz einer e-Learning-Plattform, die bereits seit Jahren erfolgreich als Ergänzung des Präsenzbetriebes angeboten wird, gestaltete sich als Lösung für diese prekäre Situation. Das bestehende, bisher thematisch strukturierte System wurde innerhalb weniger Tage ausgebaut und erweitert, sodass schon nach kurzer Zeit separate virtuelle Räume für jeden Kurs bereitstanden. Dort finden nun die per Internet angemeldeten Teilnehmenden die tagesaktuell und individuell zusammengestellten Arbeitsanweisungen und -materialien und können so ihre Ausbildung bzw. Umschulung planmäßig fortsetzen. Auch die Kommunikationsmöglichkeiten wurden noch einmal deutlich erweitert. Eine zentrale Rolle spielt hierbei ein Fernwartungstool, dass es dem Ausbilder ermöglicht, direkt auf den PC des Teilnehmenden zuzugreifen und technische oder inhaltliche Fehler zu beheben. „Mit diesen Maßnahmen ist es uns gelungen, die verschiedenen Kostenträger davon zu überzeugen, dass Umschulungen planmäßig fortgesetzt werden konnten. Maßnahmeabbrüche konnten komplett vermieden werden“, so Weigand erfreut.

 

Teilnehmenden entgegenkommen: Zahlungsanpassungen, kostenfreie Nano-Degrees, Stipendien

Viele Anbieter und Hochschulen wissen, dass auch Fernstudierende vielfach von der Krise betroffen sind. Drohende Jobverluste stehen im Raum. Durch Kurzarbeit verfügen viele zwar über ein Mehr an unverhoffter Freizeit, aber um diese sinnvoll in Weiterbildung zu investieren, fehlen aufgrund der ausbleibenden Einnahmen häufig die finanziellen Mittel. Daher kommen viele Anbieter ihren Kunden jetzt entgegen. „Wir haben schnell reagiert und bieten Menschen in Kurzarbeit nicht nur einen vereinfachten Anmeldeprozess, sondern erlassen auch die gesamten Studiengebühren während der Kurzarbeit“, informiert Prof. Dr. Stefan Kayser, Präsident der Wilhelm Büchner Hochschule aus Darmstadt, beispielsweise über das Angebot seines Hauses. Auch andere Hochschulen offerieren ihren Teilnehmern vergleichbare Angebote, bieten eine Anpassung oder auch eine um mehrere Monate verschobene Ratenzahlung an.

 

Die AKAD University lädt derzeit sogar dazu ein, die freie Zeit neben dem Job im Homeoffice aktiv und sinnvoll zu nutzen und bietet eine komplett kostenfreie Weiterbildung zum Thema „Digitale Transformation“ an. Denn die Krise zeige: die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft ist der Schlüssel zur Zukunft und gleichzeitig trotzdem noch „Neuland“ für viele. „Mit diesem kostenfreien Angebot möchten wir ein Zeichen der Solidarität in diesen schwierigen Zeiten setzen und zugleich eine sinnvolle und sehr wichtige Weiterbildung für alle anbieten. Die digitale Transformation wird aktuell durch den ‚Covid-19-Stress-Test‘ beschleunigt und hat teils drastische Auswirkungen auf Unternehmen, die sich nicht schnell und konsequent anpassen. Umso entscheidender ist es, hierzu Fachwissen zu erwerben“, erklärt Prof. Dr. Ronny Fürst, Kanzler der Stuttgarter Hochschule. Bei dem Angebot handelt es sich um einen NanoDegree. NanoDegrees sind kurze Lehrgänge auf akademischem Niveau. Je nach Vorkenntnis-Stand können Teilnehmer auf diesem Weg gezielt entsprechend ihrer beruflichen Situation und individueller Karriereziele effizient Kompetenzen erwerben und das eigene Portfolio aufwerten, ohne gleich ein vollständiges Studium zu absolvieren.

 

Noch einen Schritt weiter geht die Deutsche Akademie für Management (DAM) aus Berlin und verlost gleich drei Vollstipendien im Kulturmanagement. „Es ist uns ein Anliegen die besonders stark betroffene Kulturbranche mit diesem Angebot tatkräftig, unbürokratisch und gleichzeitig nachhaltig zu unterstützen“, berichtet Akademieleiterin Sabine Pihl. „Unsere Gesellschaft ist auf den Reichtum der Kulturschaffenden angewiesen, besonders in schwierigen Zeiten – und braucht immer Verantwortliche im Kulturmanagement, die Kultur fördern, verwalten, vermitteln und Kulturbetriebe wirtschaftlich steuern können.“ Ziel ist es, für interessierte und motivierte Menschen in der Kulturbranche einen zertifizierten Baustein für einen Karriereschritt und (Neu-)Festigung ihrer beruflichen Perspektive zu generieren. Über eines der über die Website verlosten Stipendien darf sich M. Grünkern freuen. Die Corona-Krise konfrontierte den freischaffenden Musiker unvorhergesehen mit der Fragilität seiner beruflichen Selbstständigkeit. „Schlagartig fielen sämtliche Konzerte weg und bis jetzt ist nicht abzusehen, wann ein normaler Betrieb wieder möglich sein wird“, so Grünkern. Das Stipendium eröffnet ihm nun jedoch neue Möglichkeiten. „Ich sehe es als große Chance, die freigewordene Zeit zur beruflichen Weiterentwicklung zu nutzen. Unabhängig davon interessiere ich mich schon lange für Kulturmanagement. Die Finanzierung des Fernkurses wäre in der aktuellen Situation ohne das Stipendium nur mit familiärer Hilfe möglich gewesen.“

 

Neue Kooperationen entstehen

Es gibt sicherlich keinen wirtschaftlichen und keinen gesellschaftlichen Bereich, in dem sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht bemerkbar machen. Doch besonders hart getroffen hat es zweifelsohne das Hotel- und Gastgewerbe. Betriebe mussten kurzfristig und bis auf unbestimmte Zeit schließen und ihre Mitarbeiter nach Hause oder in Kurzarbeit schicken. Sie dürfen derzeit unter strengen Auflagen zwar wieder öffnen, doch eine Rückkehr zum normalen Geschäftsalltag ist noch heute nicht abzusehen. Die Deutsche Hotelakademie (DHA) hat sich mit ihren Qualifizierungsangeboten auf Mitarbeiter und Unternehmen dieser Branche spezialisiert. „Trotz dieser schweren Zeit verzeichnen wir gerade jetzt eine hohe Nachfrage nach unseren digitalen Bildungskonzepten“, so Geschäftsführerin Merle Losem. „Sie sind für viele Unternehmen der Schlüssel zur Weiterbildung in der Krise.“ Zahlreiche Betriebe würden die Zeit zudem nutzen, um ihre Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen gezielt zu digitalisieren, weiß Sarah Wankelmann, zuständig für PR und Kommunikation an der DHA, zu ergänzen. Zu ihnen zählt unter anderem die Hotelgruppe Dorint. Denn trotz des Shutdowns wollte das Unternehmen seiner Ausbildungspflicht und Verantwortung nachkommen und hat einen starken und kompetenten Partner gesucht, um sein Ausbildungskonzept umzustellen. Den hat es mit der Deutschen Hotelakademie gefunden. Denn seit über zehn Jahren verfügt die Kölner Akademie über Erfahrung im Einsatz eines gekonnten Mix verschiedener digitaler und analoger Lernmedien in der Wissensvermittlung. „Durch die neuen E-Learning-Trainingsmodule ermöglichen wir unseren Auszubildenden, sich – auch in diesen herausfordernden Zeiten – intensiv mit den wichtigen Themen der Hotellerie zu beschäftigen und ihre Kenntnisse weiter zu vertiefen“, berichtet Susanne Rath, Leiterin Organisations- und Personalentwicklung der Dorint Hotels & Resorts. Die Rolle der DHA ist dabei von Anfang an ganz klar definiert: „Wir bieten eine jeweils aufs Unternehmen zugeschnittene Weiterbildungsreihe methodisch, didaktisch und inhaltlich konzipiert, um die berufliche Fachausbildung aller Ausbildungsberufe und Lehrjahre im Gastgewerbe unter Einsatz von E-Learning-Methoden sicherzustellen“, umreißt Losem die Zusammenarbeit.

 

Dass die Krise Anstöße zum Umdenken in Ausbildungsbetrieben auslöst, weiß auch Thomas Pilger zu berichten. Er entwickelt moderne Bildungskonzepte für seine Auftraggeber und kann sich derzeit nicht über einen Mangel an Nachfrage beklagen. So realisierte er jüngst eine 360°-Lernumgebung für Auszubildende eines namhaften deutschen Automobilkonzerns. „In der Vergangenheit standen im Mittelpunkt der E-Learning-Angebote verschiedene Formate des Web Based Trainings, Augmented oder Virtual Reality und digitale Kommunikationsformen wie das Webinar. Mit meinem Konzept füge ich diese verschiedenen Formate nun in einer neuen 360°-Anwendung zusammen. Die Ausbildungswerkstatt wird vollständig erfasst und kann somit am PC, am Tablet oder Smartphone, aber auch mit der VR-Brille ,besucht‘ werden“, umreißt Pilger kurz den Kern seiner Anwendung, die es ermöglicht, in Zeiten von Kontaktbeschränkungen den Ausbildungsbetrieb nicht zum Stillstand kommen zu lassen.

 

Fernstudium gefragter denn je

 „Das Fernstudium ist in Zeiten von Corona gefragter denn je“, weiß Fabio Astuni zu berichten. Er ist Key Account Manager beim Bewertungsportal FernstudiumCheck. „Wir können beobachten, dass die Besucherzahlen auf unserer Seite im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent gestiegen sind.“ Das unterstreiche vor allem den hohen Interessenszuwachs rund um das Thema Fernstudium.

 

Und auch Anbieter von Fernunterricht und Fernstudium bestätigen das. „Wir haben aktuell einen guten Zuspruch von Weiterbildungsinteressierten, weil unsere Lernmethode gerade in diesen Zeiten als gut bewertet wird und es keine Alternativen gibt“, so Lothar Kleiner, Geschäftsführer der Deutschen Weiterbildungsgesellschaft (DWG), zu der u.a. die Fernschulen und Hochschulen der Klett-Gruppe zählen. „Neben Bachelor- und Masterabschlüssen sind jetzt vor allem auch kurzlaufende Hochschulkurse gefragt“, ergänzt Prof. Dr. Martin Kurz, Euro-FH.

 

Alle Mühen der Unternehmen adäquat auf die Folgen der Corona-Pandemie zu reagieren und Bildungsmöglichkeiten zu schaffen, haben sich gelohnt. Die Nachfrage nach Fernunterrichtsangeboten boomt. „Unsere Branche profitiert aktuell davon, dass unsere Zielgruppe der Berufstätigen jetzt viel im Homeoffice arbeitet und festgestellt hat, wie gut Arbeit und auch Kommunikation über Distanz funktionieren“, ist sich Ingo Karsten, Geschäftsführer des ILS - Institut für Lernsysteme, Deutschlands größter Fernschule, sicher.

 

Nähe trotz Distanz

Eine Entscheidung für ein Fernstudium bedeutet aber keinesfalls den Verzicht auf eine individuelle Betreuung. Ganz im Gegenteil! Diese ist im Fernstudium ebenso flexibel abrufbar wie die Wahl des Lernorts oder die Bestimmung des Lerntempos. „Vor allem in der aktuellen Situation ist unseren Kunden die Nähe zu ihrem Studienbetreuer und den Tutoren sehr wichtig“, weiß Andreas Vollmer, Geschäftsführer und pädagogischer Leiter der Studiengemeinschaft Darmstadt (sgd), zu berichten. Direkte soziale Kontakte sind als Folge der Corona-Krise zwar minimiert, doch trotzdem werden Lernende im Fernunterricht zu keiner Zeit mit ihrem Lernstoff alleingelassen. Tutoren und Studienbetreuer stehen Lernenden über Telefon, Chat und diverse weitere digitale Kanäle stets mit Rat und Tat zur Seite. Sie sind weit mehr als nur Lernhelfer oder fachliche Berater im Fernstudium.

 

Bildungslandschaften verändern sich, Forderungen an die Bildungspolitik bleiben

Viele Teilnehmende hätten den Stellenwert digitaler Bildung erkannt oder lernen ihn aktuell kennen, sind sich die Anbieter von Fernunterricht und Fernstudium unisono einig. Die Corona-Pandemie wird die Bildungslandschaft daher nachhaltig verändern, und die hohe Nachfrage nach digitalen Bildungsangeboten wird auch nach einer hoffentlich bald überwundenen Krise hoch bleiben. Denn auch Themen wie Klimaschutz, wie z.B. durch wegfallende Anreisen zu Schulungsorten, oder hybride Arbeitskonzepte finden im Fernunterricht und seinen digitalen Elementen Berücksichtigung.

 

Hunderttausende Teilnehmende profitieren schon seit Jahren von der Flexibilität eines Fernstudiums und wertschätzen die Qualität staatlich zugelassener und akkreditierter Angebote. Und trotzdem müssen Anbieter bis heute immer wieder dafür kämpfen, Gehör und Anerkennung in der Bildungspolitik zu finden. „Wenn die Aussage unserer Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, dass berufliche Bildung bei uns in Deutschland Priorität habe, als ernsthaftes Bemühen um Wirksamkeit verstanden werden soll, ist es auch erforderlich, dass Ministerien und Behörden sich übergreifend so abstimmen, dass die Voraussetzungen für ein Gelingen geschaffen sind“, fordert Gabriele Unützer, Leitung Fernlehrgänge und Qualitätsmanagement der Steuer-Fachschule Dr. Endriss. Anbieter von Fernunterricht und Fernstudium wünschen sich eine konstruktivere und effizientere Zusammenarbeit mit den Behörden, die für die unterschiedlichen individuellen Förderungen von Teilnehmenden zuständig sind. „Hilfreich wäre ein Mehr in Richtung Vertrauenskultur. Denn der immense bürokratische Aufwand, der von Bildungsinstitutionen betrieben werden muss, um eine Vielzahl von zum Teil weiterbildungsverhindernden Auflagen zu erfüllen, hat mehr Potenzial engagierte Institutionen auszubremsen, als sie zu unterstützen“, so Unützer.

 

„Die Forderung nach modernen Bildungskonzepten, die smarter und bedürfnisorientierter gestaltet sein sollen, wird immer lauter“, so Mirco Fretter. Fernunterricht mit seinen digitalen Elementen biete auch weit über die Krise hinaus genau die Lösungen, die es braucht, um agile Lernprozesse zu ermöglichen und dazu beizutragen, die Beschäftigungsfähigkeit in einer sich ständig im Wandel befindlichen Arbeitswelt zu erhalten. „Und dennoch wird die Methode politisch bis heute nicht als vollwertige Unterrichtsleistung angesehen. So kämpfen Anbieter von Fernunterricht und Fernstudium derzeit bspw. um die Einordnung von Fernunterrichtsabschlüssen in den DQR oder befürchten gar eine signifikante Verteuerung ihrer Angebote für den Endverbraucher, sollte das immer wieder diskutierte Vorhaben der Aufhebung einer Umsatzsteuerbefreiung von Fort- und Ausbildungsleistungen im Fernunterricht in die Tat umgesetzt werden.

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